Arbeit

Arbeit: Beruf, Ehrenamt und Hausarbeit

Wenn wir von Arbeit sprechen, denken wir oft ausschließlich an berufliche Tätigkeiten – die sogenannte Erwerbsarbeit. Der Begriff umfasst jedoch auch den großen Bereich unbezahlter Arbeit. Neben ehrenamtlichen Tätigkeiten geht es hier vor allem um die sogenannte Care-Arbeit, z.B. Hausarbeit und die Sorge um Familienmitglieder.

Information zum Thema "unbezahlte Arbeit"

Erwerbsarbeit

Erwerbsarbeit bezeichnet eine berufliche Tätigkeit mit einem Einkommen. Je nach Art des Arbeitsverhältnisses unterscheiden wir selbständige und unselbständige Beschäftigung. Sonderformen sind die sogenannten Neuen Selbständigen und ArbeitnehmerInnen, die auf der Basis von freien Dienstverträgen beschäftigt sind.

Beschäftigungsverhältnisse: Vollzeit – Teilzeit - Geringfügigkeit

Die wöchentliche Arbeitszeit oder die Höhe der Entlohnung entscheiden, um welche Beschäftigung es sich handelt. Vollzeit, oft auch Normalarbeitszeit genannt, umfasst meist eine Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche. Je nach Kollektivvertrag können es aber auch 38,5 oder 38 Stunden sein. Unterhalb dieser Grenze handelt es sich um ein Arbeitsverhältnis in Teilzeit. Ob Vollzeit oder Teilzeit: Beide sind voll sozialversichert, das bedeutet kranken-, pensions-, arbeitslosen- und unfallversichert. Anders die geringfügige Beschäftigung. Sie wird nicht durch die Wochenstunden, sondern durch das Einkommen definiert. Derzeit liegt die Geringfügigkeitsgrenze bei monatlichen 386,80 Euro ohne Sonderzahlungen (2013). Geringfügig Beschäftigte sind nur unfallversichert, können sich jedoch freiwillig pensions- und krankenversichern (2013: 54,89 Euro pro Monat). Eine geringfügige Beschäftigung ist auch zusätzlich zum Bezug von Arbeitslosenunterstützung, Notstandshilfe oder in der Bildungskarenz möglich.

Qualifizierte und unqualifizierte Erwerbsarbeit

Weitere Unterscheidungen betreffen die Voraussetzungen für eine berufliche Tätigkeit. Qualifiziert bedeutet, dass eine entsprechende Ausbildung nötig ist, um diese Tätigkeit auszuführen – zum Beispiel eine Lehre. Das wirkt sich in der Regel auch positiv auf das Einkommen aus. Unqualifiziert (oder auch: ungelernt) heißt, dass dafür keine besonderen Vorkenntnisse notwendig sind. Diese sogenannten Hilfstätigkeiten können, im Unterschied zur Facharbeit, ohne fachliche Vorbildung ausgeführt werden. Unqualifizierte Arbeit wird oft auch in Teilzeit angeboten, höher qualifizierte Tätigkeiten sind hingegen vielfach nur als Vollzeitstelle erhältlich. Das kann zum Beispiel für WiedereinsteigerInnen zu einem Problem werden. Suchen sie nach einer Babypause eine Teilzeitarbeit, finden sie oft nichts, was ihren Fähigkeiten entspricht. Mehr qualifizierte Stellen in Teilzeit wären ein wichtiger Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von beruflichem und privatem Leben.

Berufsfelder: der geteilte Arbeitsmarkt

Grundsätzlich lassen sich Berufsfelder verschiedenen Wirtschaftssektoren zuordnen, wie Landwirtschaft, Industrie oder Dienstleistung. Der Arbeitsmarkt ist jedoch auch nach Frauen und Männern geteilt. Der Fachausdruck dafür lautet geschlechtsspezifische Segregation.

Horizontale und vertikale Segregation

Der Arbeitsmarkt kann horizontal und/oder vertikal geteilt sein. Horizontal bedeutet "auf der gleichen Ebene". Vertikal bezeichnet ein Gefälle von oben nach unten. Horizontale Segregation meint beispielsweise die unterschiedliche Verteilung von Frauen und Männern in den Berufsfeldern. So arbeiten etwa im handwerklich-technischen Bereich vorwiegend Männer: als Ingenieure, Elektriker oder Mechaniker. Andererseits sind in Berufen, in denen es um Pflege und Betreuung von Menschen geht, überwiegend Frauen tätig: als Altenpflegerin, Krankenschwester oder Kindergärtnerin. Vertikale Segregation heißt hingegen: Männer sind eher in leitenden Positionen zu finden und Frauen auf den unteren Stufen der Hierarchie.

Einkommen: der Gender Pay Gap

Eng mit dem geteilten Arbeitsmarkt verknüpft ist das Einkommen. Der Gender Pay Gap bezeichnet die Unterschiede im Einkommen von Frauen und Männern. Laut Statistik Austria verdienten Frauen 2011 um 40% weniger als Männer (Brutto-Jahreseinkommen). Grundsätzlich gilt: Je "männlicher" ein Berufsfeld, desto besser ist es dotiert. Das beginnt bereits in der Lehre: In typisch männlichen Lehrberufen ist die Entlohnung deutlich höher. So verdienen zum Beispiel MechanikerInnen brutto 964 Euro im dritten Lehrjahr. In Lehrberufen, die vorwiegend von Mädchen ergriffen werden, ist die Bezahlung schlechter: 641 Euro brutto beträgt die Lehrlingsentschädigung für FriseurInnen im dritten Lehrjahr. Noch immer gilt also de facto: Frauen verdienen weniger, weil sie Frauen sind. Das mittlere Brutto-Jahreseinkommen von Frauen lag 2011 bei 18.549 Euro, jenes von Männern bei 30.690 Euro.

Equal Pay: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Equal Pay bedeutet Entgeltgleichheit für Frauen und Männer nach dem Prinzip "Gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit". Für die österreichischen Frauen ist das noch immer eine Illusion. Geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede sind, wie zahlreiche Studien beweisen, auch am Anfang des 21. Jahrhunderts noch bittere Realität. Nach wie vor verdienen Frauen in allen Branchen und Berufsklassen, bei gleicher Ausbildung und Qualifikation und bei gleicher beruflicher Stellung weniger als Männer. Im europäischen Vergleich zählt Österreich zu den Schlusslichtern in der EU. Die Gründe sind vielfältig und auf verschiedenen Ebenen angesiedelt.

Die Bewertung von Arbeit

Ein wesentlicher Grund, warum Frauen weniger verdienen, ist die Bewertung von Arbeit. Diese ist willkürlich und spiegelt die kulturellen Wertigkeiten von Tätigkeiten wider. Denn wir könnten genauso gut in einer Welt leben, die Kinderbetreuung, Alten- und Krankenpflege, Kochen und Putzen als die wichtigsten Arbeiten einschätzt: Arbeiten, ohne die eine Gesellschaft nicht leben kann. In dieser Welt wären solche Berufe besser bezahlt als TechnikerInnen oder ManagerInnen. Das Einkommen hat also nichts mit dem tatsächlichen Wert einer Arbeit zu tun, sondern damit, wie die Gesellschaft sie bewertet.

Berufsorientierung

Bestimmte Berufe werden besser bezahlt als andere. Es ist wichtig, das bereits bei der Wahl der Ausbildung zu berücksichtigen. Eine geschlechtssensible Berufsorientierung kann hier wertvolle Unterstützung leisten. Dabei geht es darum, Mädchen und Burschen eine möglichst breite Auswahl an Berufen nahezubringen. Und zwar nicht nur die für ihr Geschlecht typischen Tätigkeiten. Mädchen sollten genauso über typische "Bubenberufe" informiert werden und umgekehrt. Das ist entscheidend, um Geschlechter-Stereotypen aufzubrechen. Das Ziel ist in jedem Fall, jungen Menschen zu helfen, ihre eigenen Interessen und Talente zu erkennen. Alle Mädchen und Burschen sollen einen Beruf nach ihren Fähigkeiten ergreifen können und nicht nach ihrem Geschlecht.

Berufslaufbahn: einmal drinnen, immer drinnen?

Bis vor wenigen Jahrzehnten galt das Vollzeit-Erwerbs-Modell, allerdings vorwiegend für Männer. Sie waren 40 Stunden beschäftigt, meist über 40 Jahre hinweg und oft bei ein- und derselben Firma. Heute ist der Arbeitsmarkt differenzierter. Zum einen, weil Frauen sich darin einen Platz erkämpft haben; zum anderen, weil es weniger Sicherheiten gibt: Häufige Berufswechsel, atypische Beschäftigungen oder Berufsunterbrechungen durch Karenz oder Arbeitslosigkeit sind keine Ausnahme. Frauen unterbrechen öfter als Männer ihre Berufslaufbahn. Nach wie vor sind sie stärker für Familie, Kinder, Haushalt zuständig. Immerhin nutzen auch immer mehr Männer die Möglichkeit der Elternkarenz. 2012 lag der Anteil der Väter unter den BezieherInnen von Kinderbetreuungsgeld bei 4,9 Prozent.

Wiedereinstieg

Wenn Frauen nach einer Babypause in den Beruf zurückkehren, so tun sie es oft in Teilzeit. Auch wenn die Kinder größer sind, liegt die größte Last für Haushalt und Familie bei ihnen. Zudem gibt es wenig qualifizierte Stellen in Teilzeit. Als sogenannte "Wiedereinsteigerinnen" müssen sie sich häufig mit Jobs zufrieden geben, die unter ihrem Ausbildungsniveau liegen. Deshalb ist es oft sinnvoll, sich bereits während der Babypause beraten zu lassen: Frauenberatungsstellen aber auch spezielle Angebote und Informationsbroschüren des Arbeitsmarktservice (AMS) helfen weiter.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen ist eine große Herausforderung. Bis vor einigen Jahrzehnten waren die Rollen klar verteilt: Der Mann war der Familienernährer, die Frau war für den Haushalt zuständig oder hat bestenfalls "dazu verdient". Dann kam die Bildungsoffensive der 1970er Jahre. Immer mehr und immer besser ausgebildete Frauen fassten am Arbeitsmarkt Fuß. Bis heute erobern sie Schritt für Schritt viele der einst männlichen Domänen. So sind heute Polizistinnen, Busfahrerinnen oder Politikerinnen ein alltägliches Bild. Allerdings zeigt eine Zeitverwendungs-Erhebung der Statistik Austria: Frauen schultern nach wie vor die meiste Arbeit im Haushalt: 123 Millionen Stunden pro Woche leisten sie an unbezahlter Arbeit. Bei Männern ist es in etwa die Hälfte, nämlich rund 64 Millionen Stunden

Arm in der Pension (Rente)?

In Österreich erhalten Frauen etwa 40% weniger Pension als Männer. Einer der Gründe dafür ist, dass Frauen oft in schlechter bezahlten Jobs arbeiten. In den typischen Frauenjobs, in der Pflege und in den persönlichen Dienstleistungen, ist das Lohnniveau deutlich niedriger. Zudem arbeiten sie oft über viele Jahre Teilzeit, weil sie den Großteil der unbezahlten Arbeit zu Hause erledigen. Insgesamt ergeben sich dadurch viele Jahre mit niedrigem Einkommen. Das wirkt sich negativ auf die Höhe der Pension aus. 2011 erhielten Männer brutto durchschnittlich 1.352 Euro, Frauen jedoch nur 827 Euro monatlich.

Förderungen für Weiterbildung

Schließlich spielt auch die Frage der Fortbildung eine Rolle für die berufliche Entwicklung – und zwar in mehrfacher Hinsicht. Neue Qualifikationen wirken sich günstig aus auf Aufstiegschancen und Einkommen. Und sie machen den Job interessanter. Fortbildungen werden entweder im Betrieb selbst angeboten. Dies trifft fast nur auf größere Firmen zu. Für Fortbildungen außerhalb des Betriebs können Förderungen beantragt werden: zum Beispiel beim Arbeitsmarktservice (AMS) oder bei den Landesverwaltungen. In Wien fördert auch der Wiener ArbeitnehmerInnen-Förderungsfonds (WAFF).

Eine ausführliche Beschreibung möglicher Förderungen bietet das Portal für Lehren und Lernen Erwachsener des bm:uk.

http://erwachsenenbildung.at

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