Armut

Armut in Zahlen
Was bedeutet Armut in Österreich?
Selbst schuld?
Arm trotz Arbeit
Warum Frauen stärker von Armut betroffen sind
Ein ungerechtes Steuersystem benachteiligt Frauen
Vermögen ist ungerecht verteilt
Große Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen
Armut bekämpfen
Beratung
Armutskonferenz

Armut in Zahlen

In Österreich, dem achtreichsten Land der Welt, lebt jede achte Person unterhalb der Armutsgrenze. Von Armut gefährdet sind noch bedeutend mehr Menschen, nämlich zwischen rund 1.093.000 und 1.309.000 Personen, also bis zu 15% der Gesamtbevölkerung (Quelle: EU-SILC 2012). Armut betrifft Frauen häufiger als Männer. Auch Kinder sind oft Leid Tragende: Ein Viertel der in Armut lebenden Menschen sind Kinder. Arm ist, wer mit weniger als 60% des mittleren Pro-Kopf-Haushaltseinkommens auskommen muss. Für einen Ein-Personen-Haushalt  liegt diese so genannte Armutsgefährdungsschwelle derzeit bei 1.090 Euro. Für jede weitere im Haushalt lebende Person erhöht sich diese Zahl. Sie liegt zum Beispiel für ein Paar bei 1.599 Euro, für eine/n Alleinerzieher/in mit einem Kind bei 1.389 Euro und für ein Paar mit zwei Kindern bei 2.238 Euro.
Weitere Zahlen dazu finden Sie auf der Webseite der Armutskonferenz.

Was bedeutet Armut in Österreich?

Arm sein heißt in Österreich sicher etwas anderes als arm sein in anderen Teilen der Welt, in Afrika, Asien, Lateinamerika. Aber hier wie dort heißt arm sein, zu wenig zu haben, um sich die durchschnittlichen Kosten in diesem Land leisten zu können. Arm sein heißt zum Beispiel, sich Essen, Kleidung  oder Heizung nur ungenügend leisten zu können; Armut drückt sich aber auch dadurch aus, dass man notwendige Reparaturen nicht bezahlen kann – wenn bereits eine kaputte Waschmaschine, eine undichte Leitung zu einem großen Problem werden. Arm sein heißt ganz allgemein auch, dass man nicht mehr wirklich am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann. Ins Kino oder in ein Kaffehaus gehen, Bekannte zu sich einzuladen, der Schulschikurs für die Kinder, dazu reicht das Geld oft nicht.

Selbst schuld?

Leider ist es ein weitverbreitetes Vorurteil, dass bei uns niemand arm sein muss. Die Realität zeigt jedoch: Ein unerwartetes Ereignis wie Jobverlust, Krankheit, Scheidung oder Todesfall des Partners/der Partnerin bedeutet in den meisten Fällen eine drastische Einkommenseinbuße. Ohne private Netzwerke und Ersparnisse ist es dann oft nur mehr ein kleiner Schritt in die Armut, besonders wenn mehrere dieser Faktoren zusammen kommen. Aber auch ohne besonderen Schicksalsschlag können Menschen verarmen: So haben etwa Familien mit mehr Kindern, ältere Menschen oder MigrantInnen ein höheres Armutsrisiko.

Arm trotz Arbeit

Ein weiteres Vorurteil besagt, dass Menschen arm sind, weil sie nicht arbeiten wollen. Abgesehen davon, dass viele Menschen z.B. aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen oder Betreuungspflichten  nicht arbeiten können, bietet der Arbeitsmarkt nicht für alle Arbeit. Menschen sind arbeitslos, weil sie als zu alt, als über- oder unterqualifiziert eingeschätzt werden, oder weil es in ihrem Beruf gerade keine Jobs gibt. Dazu kommen noch viele, die mit ihrer Arbeit nicht genug verdienen, um sich über Wasser zu halten, die Gruppe der so genannten „Working Poor“. Arm trotz Arbeit, davon sind vor allem Frauen betroffen, die in Niedriglohngruppen tätig sind. Dazu zählen die Lebensmittel- oder Textilbranche, aber auch Berufe wie Friseurinnen oder Floristinnen. Frauen sind zudem häufig allein für Kinder und Haushalt verantwortlich. Dadurch sind sie oft auf Teilzeitbeschäftigungen angewiesen und verdienen entsprechend weniger.

Warum Frauen stärker von Armut betroffen sind

ExpertInnen haben dafür drei Hauptgründe genannt: Steuern, Vermögen und Einkommen. Dazu kommt noch, dass bei staatlichen Sparmaßnahmen vorwiegend soziale Dienstleistungen gekürzt werden. Das wirkt sich zum Nachteil der Frauen aus.

Ein ungerechtes Steuersystem benachteiligt Frauen

In Österreich werden Löhne hoch besteuert. Seit 1992 ist die Lohnsteuer um 69% gestiegen. Im Vergleich dazu hat sich die Körperschaftssteuer für Kapitalgesellschaften nur um 8% erhöht (Quelle: AK 2005). Auch  Vermögen werden in Österreich fast gar nicht besteuert. Gerecht wäre aber, wenn Einkommen aus Arbeit nicht mehr Abgaben zahlt als Einkommen aus Vermögen. Nachteilig für Frauen wirken sich auch die Verbrauchssteuern aus. Dabei handelt es sich um Abgaben, die für alle gleich hoch sind, zum Beispiel die Mehrwertsteuer. Gerade deshalb sind diese Abgaben aber für Frauen, die in der Regel weniger verdienen, im Verhältnis zu ihrem gesamten Einkommen sehr hoch.

Vermögen ist ungerecht verteilt

Die reichsten zehn Prozent besitzen in Österreich mehr als die Hälfte des privaten Geldvermögens. In den letzten Jahren hat sich die Kluft weltweit vergrößert. Es ist daher anzunehmen, dass in Zukunft die Reichen noch reicher und die Armen ärmer werden.  Im Vergleich mit anderen Ländern wird Vermögen in Österreich nur minimal besteuert. So wurde die „echte“ Vermögenssteuer auf Besitz 1993 abgeschafft, die Erbschafts- und Schenkungssteuer 2008. Diese Politik begünstigt vor allem Männer, da Frauen im Vergleich wenig Vermögen und Kapitaleinkommen besitzen. Das heißt, dass es hier auch zu keiner nennenswerten Umverteilung zwischen Reicheren und Ärmeren und zwischen Männern und Frauen kommt.

Große Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen

Obwohl „gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit“ schon lange gesetzlich verankert ist, verdienen Frauen eklatant weniger als Männer. Laut Statistik Austria lag das Bruttojahreseinkommen von Frauen 2011 um 40% niedriger als jenes der Männer. Unterschiede gibt es je nach Branchen, Altersgruppen und der Art der statistischen Berechnung. Auch bei den Pensionen und Renten ist die Lücke groß. So erhielten 2011 Männer brutto durchschnittlich 1.352 Euro, Frauen jedoch nur 827 Euro monatlich. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum Beispiel  wird Arbeit, wenn sie von Frauen verrichtet wird, geringer bewertet. Daher sind typische Frauenberufe wie Friseurin oder Kindergärtnerin um vieles schlechter bezahlt als typische Männerberufe. Viele Ursachen hängen mit der Rollenverteilung in unserer Gesellschaft zusammen. Während Männer sich auf das Berufsleben konzentrieren können, sind Frauen nach wie vor hauptverantwortlich für Haushalt und Kinder – und viel zu oft auch zusätzlich noch für das Wohlergehen ihrer Partner. Frauen arbeiten insgesamt mehr als Männer. Pro Woche kommen sie – bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammen – auf 45,2 Stunden, Männer auf 35,1 Stunden. (Quelle: AK-Frauenbericht 1995 – 2005).  Frauen leisten dabei zwei Drittel ihrer Arbeit unbezahlt, Männer nur ein Fünftel.

Armut bekämpfen

Um der Armut entgegen zu wirken, braucht es verschiedene Maßnahmen.
Es braucht einen Arbeitsmarkt, der auch für Menschen mit Einschränkungen oder Betreuungspflichten ausreichend Jobs bietet.
Es braucht eine gerechte Bewertung von Arbeit – Frauenarbeit ist genau so viel Wert wie Männerarbeit.
Es braucht eine bessere Infrastruktur, damit beide Elternteile einer Erwerbsarbeit nachgehen können, die ihren Qualifikationen entspricht und ihre Existenz sichert. Dafür braucht es Kindergärten, die nicht um 12h zusperren und Nachmittagsbetreuung für SchülerInnen.
Es braucht steuerliche Förderungen für eine partnerschaftliche Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit. Frauen dürfen nicht länger den Großteil der unbezahlten Arbeit schultern!
Es braucht ein faires Besteuerungssystem, das die unteren Einkommen stärker entlastet und die Vermögenden mehr in die Pflicht nimmt.

Beratung

Die Beratungsstellen unseres Netzwerks bieten Frauen kostenlose Beratung bei drohender oder akuter Armut. Sie wissen Bescheid über mögliche Unterstützungen und zuständige Behörden und weisen bei Bedarf an andere Einrichtungen (z.B. Schuldenberatungsstelle) weiter.

Die Armutskonferenz – Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung

Weitere Information zum Thema Armut finden Sie auf der Webseite der Armutskonferenz.  Die Armutskonferenz ist ein Zusammenschluss von über 30 Organisationen, die sich gegen Armut und soziale Ausgrenzung engagieren. Das Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen ist Mitglied bei der Armutskonferenz und aktiv in der Gruppe „Frauen und Armut“.