Frauenberatung

Was ist Frauenberatung? Was ist Mädchenberatung?

Frauenberatung ist Beratung von Frauen für Frauen. Sie ist parteilich, für die Interessen von Frauen, aber nicht an eine politische Partei gebunden. Sie ist konfessionslos, also keiner Religion verpflichtet, sondern offen für Frauen aller Religionen und jeder Herkunft. Mädchenberatung erfüllt alle diese Kriterien, richtet sich jedoch speziell an Mädchen und junge Frauen. So definieren die Beratungsstellen, die im Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen organisiert sind, den Begriff "Frauenberatung" bzw. "Mädchenberatung"

Nach welchen Grundprinzipien arbeiten Frauen/Mädchenberatungsstellen?

Frauen- und Mädchenberatungsstellen sind spezielle Orte nur für Frauen/Mädchen. Sie bieten Beratung nach folgenden Grundsätzen an: ganzheitlich, vertraulich, niederschwellig, kostenlos und nach Möglichkeit freiwillig und anonym.

Genaueres zu diesen Begriffen finden Sie in den nächsten Absätzen:

Ganzheitliche Beratung

Ganzheitliche Beratung bedeutet, dass eine Frau in ihrer Gesamtheit wahrgenommen wird. Es werden alle Lebensumstände berücksichtigt, die ihre persönliche Situation beeinflussen. Zum Beispiel, ob sie gesund ist oder an einer Krankheit leidet; ob sie Kinder hat; ob sie Unterstützung bei der Betreuung der Kinder hat; ob sie mit einem Partner oder einer Partnerin zusammen lebt; welche Art von Bildung oder Ausbildung sie mitbringt; mit welchen Anliegen, Problemen, Sorgen sie in die Beratungsstelle kommt.

Vertraulichkeit

Vertraulichkeit heißt: Was in einer Beratung besprochen wird, verlässt diesen Ort nicht; alle Beraterinnen unterliegen der Verschwiegenheitspflicht; alle Informationen werden streng vertraulich behandelt.

Niederschwelligkeit

Niederschwelligkeit meint, dass es für Frauen und Mädchen leicht sein soll, sich beraten zu lassen. Dazu gehört, dass Beratungen zu unterschiedlichen Tageszeiten möglich sind; dass Termine für ein Erstgespräch kurzfristig vergeben werden; es kann auch heißen, dass die Einrichtung barrierefrei zugänglich ist oder Kinderbetreuung angeboten wird; niederschwellig bedeutet auch: Frauen und Mädchen können in die Beratungsstelle kommen, auch wenn sie ihr Problem noch nicht ganz klar definiert haben.

Kostenlose Beratung

Beratungen sind für alle Frauen und Mädchen kostenlos. Die Beratungsstellen arbeiten mit einem öffentlichen Auftrag. Sie erhalten Subventionen von Bund, Ländern, Gemeinden oder Arbeitsmarktservice (AMS) und sind daher in der Lage, Beratungen gratis anzubieten. Einige Angebote, wie zum Beispiel Psychotherapie, werden nicht oder nur zum Teil finanziert. Für sie ist daher ein Kostenbeitrag zu zahlen.

Freiwilligkeit und Anonymität

Es ist wünschenswert, dass Frauen und Mädchen die Beratung freiwillig in Anspruch nehmen und anonym bleiben können. In der Praxis werden Frauen allerdings oft in die Beratungsstelle geschickt, zum Beispiel vom Arbeitsmarktservice (AMS). Die Frauenberatungsstellen müssen dann oft auch Daten (z.B. die Versicherungsnummer) an das AMS rückmelden. In diesem Fall ist Freiwilligkeit nicht gegeben und Anonymität nicht möglich.

Frauen/Mädchenberatungsstellen sind offene Orte

Die Beratungsstellen stehen allen Frauen und Mädchen offen, unabhängig von ihrer Herkunft, Bildung, Religion, Staatsbürgerschaft, sexuellen Orientierung, ihrem Familienstand oder Alter. Manche Beratungsstellen sind spezialisiert. So gibt es Beratungsstellen für Mädchen und junge Frauen, für Migrantinnen oder für Frauen, die von Gewalt betroffen sind. Ein Auswahl-Kriterium ist wahrscheinlich auch die Entfernung zur nächstgelegenen Beratungsstelle. Ein Anruf bei der nächsten Beratungsstelle oder in der Koordinationsstelle des Netzwerks hilft Ihnen zu klären, welche Beratungsstelle für Sie passend ist.

Mit welchen Anliegen und Problemen kommen Frauen und Mädchen in unsere Beratungsstellen?

Jedes Jahr wenden sich mehr als 100.000 Frauen und Mädchen an die Beratungsstellen des Netzwerks. Die häufigsten Anliegen betreffen Fragen zu Existenzsicherung/Erwerbsarbeit, Gewalterfahrungen und Beziehungsproblemen. Aber auch körperliche oder psychische Beschwerden können ein Grund sein, Beratung zu suchen. Oft überschneiden sich mehrere Probleme; oder es werden manche Aspekte erst im Lauf der Beratung sichtbar. So kann es sein, dass eine Frau in die Beratungsstelle kommt, weil sie nach einer Babypause wieder arbeiten will. Dabei stellt sich heraus, dass ihre Ausbildung veraltet ist; oder dass die Frage der Kinderbetreuung nicht geregelt ist; oder auch, dass es Probleme mit dem Partner gibt.

Liste aller Beratungsinhalte 

Fragen zu Erwerbsarbeit, Beruf und Existenzsicherung

Dieser Bereich umfasst alle beruflichen Themen wie Berufsorientierung, Ausbildung, Weiterbildung, Bewerbungen, Fragen zu Gehalt und beruflichem Aufstieg, zu Vollzeit- und Teilzeitanstellungen. Aber auch Fragen zu staatlichen Transferleistungen wie Arbeitslosenunterstützung, Notstandshilfe, Krankengeld, Kindergeld, Pflegegeld, Rente oder Pension fallen in diesen Bereich.

Gewalt

Gewalterfahrungen sind oft der Hauptgrund, warum Frauen in eine Beratungsstelle kommen. Manchmal wird auch erst im Lauf der Beratung klar, dass Gewalt ein Teil des Problems ist. Es gibt offene und versteckte (subtile) Formen von Gewalt. Gewalt kann körperlicher, psychischer, sexueller oder ökonomischer Art sein. In den allermeisten Fällen ist der Täter ein Mann, sehr oft der Ehemann/Partner oder Expartner. Die Betroffenen sind meist Frauen und Kinder. Alle Beratungsstellen des Netzwerks bieten Beratung für Frauen, die von Gewalt betroffen sind, an. Eine wichtige erste Anlaufstelle in akuten Situationen ist die Frauenhelpline. Sie ist rund um die Uhr kostenlos unter der Nummer 0800/ 222 555 erreichbar und arbeitet unter dem Dach der AÖF (Autonome Österreichische Frauenhäuser).

http://www.frauenhelpline.at

Beziehungsfragen: Erziehung, Obsorge, Scheidung, Trennung

Dieser Bereich betrifft die zwischenmenschlichen Beziehungen des Privatlebens: zwischen Partnerinnen und Partner oder Eltern und Kindern, Beziehung mit anderen Personen, die im gemeinsamen Haushalt leben und vielleicht pflegebedürftig sind. Die Beraterinnen unterstützen bei Beziehungs/Ehekrisen, Erziehungsfragen, Fragen und Problemen in Bezug auf Trennung oder Scheidung, Unterhaltszahlungen und das Sorgerecht für Kinder (Obsorge).

Körperliche und psychische Gesundheit

Fast alle Frauen- und Mädchenberatungsstellen bieten auch Beratung bei gesundheitlichen Fragen, oft in Zusammenarbeit mit einer Ärztin. Die Liste der Themen und Probleme ist vielfältig und umfasst zum Beispiel: Schwangerschaft, Wechseljahre, Ess-Störungen, Sucht, Angstzustände, Depressionen, Burn-Out.

Beispiele warum Frauen zur Beratung kommen

Nicht immer kann das Problem ganz klar benannt werden: Oft betrifft es verschiedene Bereiche, wie Beruf, Partnerschaft, Kinder. Oft greifen die Probleme ineinander oder hängen zusammen. Ihre Frauenberaterin wird gemeinsam mit Ihnen die verschiedenen Anteile des Problems klären.

Beispiel A:

Andrea M. kommt in die Beratungsstelle, weil sie nach einer Kinderpause wieder ins Berufsleben einsteigen will. Sie ist 32 Jahre alt und gelernte Bürokauffrau. Die Beraterin befragt Frau M. zu ihrem Tagesablauf. Dabei stellt sich heraus, dass sie weitgehend allein für die beiden Kinder zuständig ist. Zusätzlich unterstützt sie noch den Schwiegervater, der nach dem plötzlichen Tod seiner Frau alleine lebt, bei den nötigsten Hausarbeiten. Die Familie lebt in einem Dorf und hat ein gemeinsames Auto. Für die meisten Arbeitsstellen ist es notwendig zu pendeln. Andreas Mann fährt jeden Tag 30 km in die nächste Stadt zur Arbeit und braucht dafür das Auto.

In der Beratung wird schnell klar: Mit ihren derzeitigen Verpflichtungen könnte Andrea M. kein Jobangebot annehmen. Zuerst gilt es, eine geeignete Betreuung für die Kinder und den Schwiegervater zu finden. Gibt es Möglichkeiten für Nachmittagsbetreuung? Und für Heimhilfe? Wie lassen sich Familienaufgaben neu organisieren? Was kann der Partner übernehmen? Auch die Frage des Transports ist zu bedenken. Welche öffentlichen Verkehrsmittel gibt es? Kann eine Fahrgemeinschaft eingerichtet werden? Erst wenn diese Fragen gelöst sind, kann Frau M. sich auf die Arbeitssuche konzentrieren.

Beispiel B:

Berta Z. kommt in die Beratungsstelle. Sie ist ganz beschämt und weiß nicht, ob sie hier richtig ist. Bis vor kurzem schien in ihrem Leben alles gut zu laufen. Doch nun hat ihr Mann den Job verloren und findet seit Monaten keine Arbeit. Immer öfter kommt es vor, dass er zu viel trinkt und seinen Zorn an der Familie auslässt. Geschlagen hat er sie zum Glück nicht, aber die ständige Gereiztheit und das Herumschreien vergiften das Klima zu Hause. Die Kinder leiden darunter und sind in der Schule deutlich schlechter geworden. Dadurch, dass der Mann seinen Job verloren hat, reicht auch das Einkommen nicht mehr aus.

In der Beratung geht es darum, Frau Z. bei der Bewältigung dieser schwierigen Situation zu unterstützen. Die Aggressionen des Ehemanns in Verbindung mit Alkoholkonsum sind ein deutliches Warnzeichen. Die Beraterin betont, dass solches Verhalten bereits eine Form von Gewalt ist. Gewalt gegen Berta Z. und die Kinder. Das darf nicht toleriert werden. Mit ihrer Beraterin arbeitet Frau Z. an möglichen Strategien. Ist der Mann gesprächsbereit? Kommt vielleicht eine Familienberatung in Frage? Ab wann müsste sie Hilfe holen und bei wem? Bei einer Freundin? Bei der Polizei? In der Beratung bekommt Frau Z. auch Auskunft über wichtige Gesetze, wie zum Beispiel das Wegweiserecht oder Betretungsverbot und die Telefonnummer der Frauenhelpline gegen Gewalt: 0800/ 222 555

Formen der Beratung: telefonisch, persönlich oder online

Der erste Schritt für eine persönliche Beratung ist ein Telefonanruf bei der nächst gelegenen oder der passendsten Frauen/Mädchenberatungsstelle. Dabei wird ein Termin für ein Beratungsgespräch vereinbart. Je nach Dringlichkeit können dabei bereits die wichtigsten Fragen abgeklärt werden. Für ein persönliches Gespräch kommt es manchmal zu Wartezeiten, je nach Auslastung der Beratungsstelle Eine rasche Form der Beratung ist die Online-Beratung. Dabei registrieren Sie sich über ein spezielles Programm, das größtmögliche Sicherheit und Anonymität gewährleistet. Der Verein Frauen beraten Frauen bietet beispielsweise Online-Beratung österreichweit an und gewährleistet eine Beantwortung der Anfrage innerhalb von 48 Stunden.

http://frauenberatenfrauen.beranet.info

Kurzzeit/Langzeit: Wie oft können Frauen und Mädchen zur Beratung kommen?

Das hängt von der Art der Beratung und auch von der Beratungsstelle selbst ab. In vielen Beratungsstellen gibt es für allgemeine, sogenannte psychosoziale Beratung, keine Begrenzung. Für arbeitsmarktspezifische Beratung, wenn Frauen vom Arbeitsmarktservice (AMS) in die Beratungsstelle geschickt werden, gibt es manchmal ein begrenztes Kontingent von zehn Stunden.

Allgemeine und spezialisierte Beratungsstellen im Netzwerk

Unser Netzwerk besteht aus 58 Beratungsstellen in allen Bundesländern.

Standorte

Es gibt allgemeine Beratungsstellen. Sie stehen allen Frauen und Mädchen mit allen Anliegen offen. Und es gibt spezialisierte Beratungsstellen. Sie richten sich an eine bestimmte Zielgruppe oder konzentrieren sich auf eine bestimmte Problemstellung.

Darüber hinaus gibt es weitere Einrichtungen, die ähnlich oder gleich arbeiten. Diese sind jedoch (derzeit) nicht Mitglied im Netzwerk. Eine Liste dieser Frauenberatungsstellen finden Sie auf der Website der Frauenministerin.

http://www.frauen.bka.gv.at

Spezialisierte Beratungsstellen im Netzwerk

Dazu zählen Beratungsstellen für Migrantinnen, Mädchenberatungsstellen, Beratungsstellen für Frauen, die von Gewalt betroffen sind oder Beratungsstellen für obdachlose Frauen oder für Frauen mit Behinderung. Außerhalb des Netzwerks gibt es auch Einrichtungen mit speziellen Angeboten für lesbische Frauen und Mädchen, z.B. die Beratungsstelle Courage oder die Lesbenberatung Lila Tip.

http://www.courage-beratung.at
http://lilatipp.dievilla.at/

Beratungsstellen für Migrantinnen

Manche Beratungsstellen richten sich vorwiegend an Frauen aus bestimmten Herkunftsländern. Sie bieten Beratung nicht nur in Deutsch sondern in verschiedenen Sprachen an, zum Beispiel:

  • Maiz (Spanisch, Englisch, Portugiesisch/Brasilianisch, Bulgarisch Rumänisch, Russisch, Slowakisch, Tschechisch)
  • Orient Express (Türkisch, Arabisch, Englisch)
  • Miteinander Lernen/Birlikte Ögrenelim (Türkisch)
  • LEFÖ (Spanisch, Ungarisch, Englisch, Polnisch, Rumänisch, Bulgarisch)
  • Peregrina (Arabisch, Armenisch, Englisch, Französisch, Kinyarwanda, Kirundi Serbisch/Bosnisch/Kroatisch und Türkisch)

Mädchenberatungsstellen

In unserem Netzwerk arbeiten vier Beratungsstellen ausschließlich mit Mädchen und jungen Frauen:

Wo es keine speziellen Mädchenberatungsstellen gibt, können sich Mädchen an die nächstgelegene Frauenberatungsstelle wenden. Mädchen finden Beratung bei beruflichen und anderen Fragen, bei Problemen mit Schule, Eltern, Sexualität usw.

Hilfe bei Gewalt

Manche Beratungsstellen bieten spezielle Unterstützung für Frauen, die von Gewalt betroffen sind. Österreichweit ist die Frauenhelpline die erste Anlaufstelle in akuten Situationen. Sie ist rund um die Uhr kostenlos unter der Nummer 0800/ 222 555 erreichbar und arbeitet unter dem Dach der AÖF (Autonome Österreichische Frauenhäuser).

http://www.frauenhelpline.at

Wer sind die Beraterinnen?

Ein multiprofessionelles Team - zum Beispiel Psychologinnen, Pädagoginnen, Psychotherapeutinnen, Sozialarbeiterinnen und Juristinnen - berät Frauen und Mädchen mit einem ganzheitlichen Ansatz. Sind verschiedene Probleme zu bewältigen, kann eine Frau von mehreren Beraterinnen betreut werden. Im Netzwerk arbeiten ausschließlich Frauen als Beraterinnen. Wir gehen davon aus, dass Frauen aufgrund der eigenen Betroffenheit ein tieferes Verständnis für frauenspezifische Probleme in unserer Gesellschaft haben.

Zusätzliche Informationen