Geld

Frauen und Geld

Frauen verdienen mehr!

Verhandeln um Geld

Diskriminierung ist nicht "natürlich"

Wir werden nicht als Frauen geboren …

Information und Beratung

Gender Budgeting


Frauen und Geld

Frauen verdienen in Österreich nach wie vor um ein Drittel weniger als Männer. Und das obwohl das Gesetz verlangt: Gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit. Sicher, Frauen unterbrechen öfter ihre Berufslaufbahn, weil sie hauptverantwortlich sind für Haushalt und Familie. Aus dem gleichen Grund sind sie auch oft Teilzeit beschäftigt. Und ihre Arbeit wird traditionell als weniger wertvoll eingestuft. Deshalb sind typische Frauenberufe schlechter bezahlt als Berufe, in denen überwiegend Männer arbeiten. Das beginnt bereits in der Lehre. Laut Statistik Austria verdienen MechanikerInnen im dritten Lehrjahr brutto 964 Euro. Für Friseure/Friseurinnen beträgt die Lehrlingsentschädigung hingegen nur 641 Euro.

Frauen verdienen mehr!

Frauen und Mädchen sind heute bestens ausgebildet und wollen ihr Können auch beruflich umsetzen. Und sie wollen dafür angemessen bezahlt werden. Die gesellschaftliche Entwicklung hinkt dem jedoch hinterher: Während Männer als „Familienerhalter“ gelten, werden Frauen immer noch als „Zuverdienerinnen“ eingestuft. Es ist Zeit, im 21. Jahrhundert anzukommen: Frauen verdienen mehr! Unter diesem Slogan organisierte das Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen 2008 eine Kampagne: mit Freecards, einer Wanderausstellung und einem Film, der unter netzwerk@netzwerk-frauenberatungsstellen bestellt werden kann.

Verhandeln um Geld

In Gehaltsverhandlungen schneiden Frauen oft schlechter ab als Männer. „Sie fordern weniger“, hört man/frau dazu aus der Chefetage. In vielen Fällen stimmt das sogar. Frauen bringen wenig Handwerkszeug mit, um in Gehaltsverhandlungen entschlossen aufzutreten. Das hängt mit ihrer Erziehung als Mädchen zusammen, mit ihrer Sozialisation. Mädchen lernen, dass sie sich nicht in den Vordergrund stellen sollen. Sie lernen, dass es vorwiegend auf ihr Verhalten ankommt und nicht so sehr auf ihre Leistung. Aber: ordentlich, anständig und brav, damit kommen Mädchen und Frauen beruflich auf keinen grünen Zweig. Und schon gar nicht zu einem gerechten Lohn.

Diskriminierung ist nicht "natürlich"

Sind Frauen ärmer weil sie weniger Wert auf Geld legen? Vielleicht ist das in einigen Fällen so. Hauptsächlich hat das jedoch historische Ursachen. Bis 1975 mussten in Österreich verheiratete Frauen ihre Ehemänner um Erlaubnis fragen, wenn sie arbeiten gehen wollten. Erst eine Änderung des Familienrechts brachte Frauen mehr Rechte. Die Geschichte der Diskriminierung reicht weit zurück. Über viele Jahrhunderte hinweg war es für Frauen so gut wie unmöglich, etwas zu besitzen, zu kaufen oder zu erben. Ein Mann - sei es der Vater, Bruder, Ehemann oder Sohn – hatte immer die Kontrolle über Vermögen und Besitz und damit über ihr Leben. Heute ist es umso wichtiger, dass Frauen drauf schauen: auf ihr eigenes Geld, ihr eigenes Einkommen und ihre Absicherung im Alter.

Wir werden nicht als Frauen geboren … wir werden zu Frauen gemacht

Dieses Zitat der französischen Frauenrechtlerin Simone de Beauvoir (1908 – 1986) lässt sich auf das Thema Frauen und Geld gut anwenden. Genauso könnte es übrigens heißen: Auch Männer werden nicht als Männer geboren, sondern dazu gemacht. Männern bringt man bei, ihre Leistung zu betonen und auch gerne mal zu übertreiben. Sie sollen forsch auftreten und große Summen fordern. Schließlich gelten sie ja als Familienernährer. Männer dürfen risikofreudig sein und Geld in großem Stil ausgeben. Dass sie sich dabei oft auch verspekulieren gehört scheinbar dazu. Im Gegenzug dazu verlangt die Gesellschaft von Frauen, dass sie bescheiden sind in ihren Forderungen und Erwartungen. Was sie tun, soll aus Liebe und Edelmut geschehen. Ihre Arbeit soll vor allem sinnvoll sein oder Menschen helfen. Geld, so heißt es, ist für Frauen zweitrangig. Auch wenn diese Einstellung heute zum Glück veraltet scheint, ist sie doch tief in der Gesellschaft verankert. Umso wichtiger ist es, hier dagegen zu steuern: auf der persönlichen und auf der politischen Ebene.

Kostenlose Information und Beratung

Die Beraterinnen des Netzwerks  österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen unterstützen Frauen und Mädchen in Fragen der Berufswahl, Bewerbung oder Gehaltsverhandlung.

An die Anwaltschaft für Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt können Sie sich wenden, wenn Sie aufgrund Ihres Geschlechts benachteiligt werden, zum Beispiel bei der Beförderung oder beim Gehalt.

Werden Sie für Ihre Arbeit gerecht entlohnt? Information darüber gibt der Gehaltsrechner, ein Service der Bundesministerin für Frauen und öffentlichen Dienst.

Gender Budgeting

Auch die Politik hat erkannt: Nur eine gerechte Verteilung von Geld führt zu mehr Gleichstellung von Frauen und Männern. Seit 2009 ist daher „Gender Budgeting“ in der österreichischen Verfassung verankert. Gender Budgeting bedeutet „geschlechtergerechte Budgetgestaltung“. Es bedeutet, ein Budget so zu planen, dass es die Bedürfnisse von Frauen und Männern gleichermaßen erfüllt. Ein Beispiel aus der Verkehrsplanung: Eine neue Straße soll gebaut werden. Die Verantwortlichen müssen sich fragen: Wem nützt die Straße? Fahren Männer und Frauen gleich viel Auto? Oder wird dadurch ein Geschlecht bevorzugt? Wäre es gerechter, statt der Straße den Schienenverkehr auszubauen? Gender Budgeting heißt, bei Investitionen auch die Lebenssituation von Frauen und Männern gleichermaßen zu berücksichtigen.

Weitere Informationen zu Gender Budgeting finden Sie auf der Website der IMAG (Interministerielle Arbeitsgruppe für Gender Mainstreaming)