Nein, danke! Algorithmus soll entscheiden wer vom Arbeitsmarktservice gefördert wird

„Mehr als bedenklich“ beurteilt die jährliche Generalversammlung des Netzwerk österreichischer Frauen- & Mädchenberatungsstellen die geplante Kategorisierung von arbeitslosen Menschen mittels Computerprogramm. Ab 2020 soll ein Algorithmus (mit-)entscheiden, wer vom Arbeitsmarktservice (AMS) Betreuungszeit und Fördergelder erhält und wer nicht.

Menschen sollen dabei in drei Kategorien eingeteilt werden: In jene mit hohen, mittleren und niedrigen Arbeitsmarktchancen. Die Einteilung soll über eine Punktevergabe erfolgen. Für persönliche Merkmale wie weibliches Geschlecht, gesundheitliche Beeinträchtigung oder Herkunft aus einem Drittstaat gibt es Punkteabzug mit gravierenden Folgen: Je weniger Punkte eine Person erhält, desto weniger wird sie gefördert.

Die Vertreterinnen des Netzwerks österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen kritisieren, dass dadurch Kategorien und momentane Lebenssituationen noch zementiert werden und dass Menschen zu leicht „in einen Topf geworfen“ werden, z.B. alle Frauen oder alle Alleinerziehenden. Darüber hinaus passiert durch das Algorithmus-Programm ein absurder Umverteilungseffekt: gestärkt werden nur die, die ohnehin bereits in einer stärkeren Position sind. Menschen aus der zukünftigen Kategorie 3, die es besonders schwer haben, sollen hingegen gar nicht mehr gefördert werden.

„Das widerspricht allen Prinzipien von Chancengleichheit. Wir sehen hier eine große Gefahr, dass sich der Gender Gap dadurch noch vergrößert“, so der Tenor der Generalversammlung und: „Wir fordern daher die Regierung auf, dieses Programm nicht zum Einsatz zu bringen“

 

Foto: Sonja Mille