PA 09.04.2019: Gewalt ist oft versteckt

Foto: Josef Halbedl
Foto: Josef Halbedl

Leider kein Aprilscherz: Noch immer ist jede 5. Frau von Gewalt betroffen. 40 Mitgliedseinrichtungen des Netzwerks österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen trafen sich daher Anfang April in Graz zu einem Plenum. Sie fordern zum einen die bessere Absicherung ihrer Einrichtungen, zum anderen die Einbeziehung von Männerberatungsstellen bei der Gewaltprävention und insgesamt mehr Sensibilisierung zum Thema Gewalt.

Im Wartingersaal des Steiermärkischen Landesarchives ging es zwei Tage lang vor allem um die Frage, welche Rolle die Beratungsstellen bei Gewalt gegen Frauen und Mädchen spielen und welche Maßnahmen es braucht, damit die Einrichtungen weiterhin gut arbeiten können. „Ob Prävention, akute Hilfe oder Nachbetreuung – wir unterstützen Frauen und Mädchen in allen Phasen“, so die Vertreterinnen des Netzwerks. „Der Unterschied zu anderen wichtigen Einrichtungen wie Notrufe, Frauenhäuser oder Gewaltschutzzentren ist, dass wir Frauen und Mädchen viel früher erreichen und sie auch noch lange nach der Akutphase zu uns kommen.“

Gewalt ist dabei oft hinter anderen Problemen versteckt oder sie wird nicht sofort als solche erkannt. Egal, ob bei einem Workshop zur Lehrstellensuche, ob Frauen mit Gesundheitsproblemen kommen oder wenn eine Delogierung droht: Im Hintergrund steht häufig eine Gewaltgeschichte. Viele Frauen neigen dazu, die Schuld zuerst einmal bei sich selbst zu suchen. In diesem Stadium würden oder könnten Frauen sich noch nicht an ein Gewaltschutzzentrum wenden. „Hier sind wir genau die Richtigen, da können wir gemeinsam mit den Frauen die verschiedenen Formen von Gewalt oder eine mögliche Bedrohung erkennen und im besten Fall verhindern.“

In den Frauen- und Mädchenberatungsstellen des Netzwerks finden Frauen und Mädchen kostenlos, rasch und unbürokratisch Hilfe. Auf www.netzwerk-frauenberatung.at sind alle Standorte in ganz Österreich aufgelistet.

„Damit wir unsere Arbeit weiterhin im erforderlichen Ausmaß machen können, braucht es gezielte Anstrengungen in drei Richtungen“, so die Vertreterinnen der Beratungsstellen:

  • Sensibilisierung von Personen, die in Schulen, Ausbildungsstätten, Betrieben und im Gesundheitswesen tätig sind
  • Ausbau von Männerberatung für die Prävention und Täterarbeit
  • Bessere Finanzierung der Frauen- und Mädchenberatungsstellen

Vor allem den letzten Punkt haben die Netzwerk-Vertreterinnen der Frauenministerin bei einem Besuch Ende März nahe gebracht und hoffen, dass Bundesministerin Bogner-Strauß bei den nächsten Budgetverhandlungen auch den Finanzminister überzeugen wird. Denn: „Seit Jahren werden die Förderungen weder indexiert noch dem Bedarf entsprechend angehoben! Wo wir 2013 noch 100 Frauen und Mädchen beraten konnten, sind es 2019 nur mehr 80!“, so die Beraterinnen.

 

Rückfragen: Hannah Steiner, netzwerk@netzwerk-frauenberatung.at; Tel. 01/595 37 60