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Beratung wirkt: Frauen- & Mädchenberatung – unersetzbar für Gesellschaft & Wirtschaft

Seit den 1980er-Jahren sind Frauen- und Mädchenberatungsstellen (FMBS) in Österreich ein entscheider Schlüssel ins Unterstützungssystem. Jährlich suchen rund 120.000 Frauen und Mädchen diese Stellen auf – und finden dort, was sie in Krisen am dringendsten brauchen: Unterstützung, Stabilisierung, Beratung und Empowerment. Die Zahlen zeigen: Beratung wirkt. Über 90% der Beratungen enden mit einer Lösung, einer Verbesserung oder einer neuen Perspektive. Frauen gewinnen Selbstvertrauen, wirtschaftliche Unabhängigkeit und können wieder aktiv am Leben teilnehmen.

Doch die FMBS leisten noch mehr: Sie sind nicht nur sozial, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll. 40% der Beratungen betreffen Gewalt in Beziehungen. Gewalt gegen Frauen kostet Österreich jährlich 7,3 Milliarden Euro – durch medizinische Versorgung, Arbeitsausfälle und soziale Folgekosten. Prävention und Beratung sparen Geld: Eine Studie aus England zeigt, dass jeder investierte Euro in frauenspezifische Beratung bis zu neun Euro zurückbringt. Das nennt man Social Return on Investment. Die FMBS sind hier Spitzenreiterinnen.

Trotzdem: Finanzierung am seidenen Faden

Die Realität sieht anders aus:

  • Nur 0,026% des Bundesbudgets fließen ins Frauenministerium.
  • Die meisten Beratungsstellen sind als gemeinnützige Vereine organisiert. Jeder Euro an Förderungen wird direkt in zielgruppenspezifische Angebote investiert – ohne staatliche Unterstützung wäre das nicht möglich.
  • Statt Planungssicherheit kämpfen die Stellen mit kurzfristigen Projektförderungen, hohem Verwaltungsaufwand und einer Vielzahl an Fördergeber*innen.

Stimmen aus der Praxis: Warum Beratungsstellen lebenswichtig sind

Beim Pressegespräch am 18. November 2025 berichteten drei Expertinnen aus der Praxis, wie FMBS tagtäglich Leben verändern:

  • Florina Platzer (maiz, Oberösterreich): „Der Gender Pay Gap trifft besonders Frauen mit gesundheitlichen Einschränkungen und Frauen, die nicht in Österreich geboren sind. Aber auch Kürzungen bei AMS-Maßnahmen, Projekten, die Abschaffung der geringfügigen Arbeit bei Arbeitslosigkeit – Frauen sind davon hauptsächlich betroffen und gemeinsam mit der schlechten wirtschaftlichen Lage ist das ein sehr ungünstiges Zusammenspiel, das viele Frauen in Armut und Verzweiflung bringt. In dieser sensiblen Zeit ist eine erhöhte Unterstützung dringend notwendig. Genau in diesen Zeiten sind wir aber mit massiven Kürzungen konfrontiert. Langjährige aufgebaute Strukturen aber auch die Expertisen, die Berater*innen sich angeeignet haben, sind gefährdet. Und es geht nicht nur um uns – vielmehr geht es um die Zielgruppe: Frauen und Mädchen in Österreich“
  • Celeste Tortosa (LEFÖ, Wien): „Eine Beratungsstelle zu verkürzen ist nicht das Ende des Angebots – es ist der Anfang eines gesellschaftlichen Problems. Unsere Einrichtungen sind für viele Frauen oft nicht nur der erste Schritt ins Unterstützungssystem in Österreich, sie sind manchmal der einzige Ort, an dem sie sicher sprechen können, verstanden werden und Orientierung bekommen. Wir erleben täglich in unserer Arbeit wie frühzeitige Beratung Gewalt verhindern kann. Wie rechzeitige Information Ausbeutung stoppen und wie Begleitung Ressourcen sichtbar macht und Handlungsspielräume zurückbringt. Unsere Aufgabe in LEFÖ und in Zusammenarbeit mit anderen Beratungsstellen ist es migrantische Frauen dabei zu unterstützen ihre eigene Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen und genau das gelingt, wenn Beratung niederschwellig, vertraulich, professionell und erstsprachig ist“
  • Dorit Haslehner-Kadlicz (Freiraum, Niederösterreich): „Es braucht uns mehr denn je: Wir erleben bei den Jugendlichen einen Rückschritt in der Gleichstellung – wir hinken nach. Und wir erleben hier Entwicklungen, die uns große Sorgen bereiten: Mädchen, die es wieder normal finden, dass sie in traditionelle Geschlechterrollen zurückkehren sollen. Wir erleben in den Beratungen, dass sehr viele Frauen von Gewalt betroffen sind. Viele dieser Frau kommen wegen einem anderen Thema in die Beratung – erst im weiteren Verlauf der Beratung tritt das Thema auf. Viele wussten bis zu diesem Zeitpunkt nicht, dass es sich bei ihrem Erlebtem um Gewalt handelt und lernen durch die Beratung Gewalt zu erkennen und zu benennen.“

Forderungen: Investieren statt kürzen!

Die Berichte aus der Praxis zeigen: Gewaltprävention ist kein Luxus, sondern die kostengünstigste Lösung! Kürzungen hier wären nicht nur moralisch fragwürdig, sondern auch wirtschaftlich kurzsichtig.

Denn was passiert, wenn diese Stellen wegfallen?

  • Mehr Gewalt bleibt unsichtbar – und Täter*innen ungestört.
  • Mehr Frauen verlieren Arbeit, Gesundheit und Perspektive.
  • Mehr Kosten entstehen für Sozialsysteme, Justiz und Gesundheitswesen.

Wir brauchen klare politische Schritte:

  1. Ausbau statt Abbau: Die Nachfrage steigt – Angebote müssen mitwachsen.
  2. Prävention stärken: Präventive Angebote sparen Milliarden an Folgekosten.
  3. Gleichstellung refinanziert sich: Ein Monitoring muss zeigen, dass jeder Euro in Beratung mehrfach zurückfließt.
  4. Langfristige Finanzierung: Keine Projektförderungen mehr, sondern planbare, indexgesicherte Budgets.

Für mehr Informationen können sie das begleitende Factsheet zum Pressegespräch herunterladen: Frauen- & Mädchenberatung – unersetzbar für Gesellschaft & Wirtschaft